Jónas Hallgrímsson, Poet, Patriot und Romantiker
Islands berühmtester Sohn
Jónas Hallgrímsson, Poet, Patriot und Romantiker
Viele von Islands großen Helden waren gar keine tapferen Krieger, sondern Kämpfer für das, woran sie leidenschaftlich glaubten. Sie kamen nicht aus Städten, denn die gab es auf der Insel zu ihrer Zeit nicht. Sie hatten ihre Ausbildung nicht in einem steinernen Gebäude erhalten, wo Schüler wie kleine Gläser mit Wissen angefüllt wurden, sondern bekamen sie von den Stürmen des Lebens draußen auf den Feldern und auf See verpasst, ob sie wollten oder nicht. Ewiger Wind im Gesicht formt den Charakter.
Jónas Hallgrímsson wurde im Jahr 1807 als drittes von vier Kindern im wunderschönen, von hohen Bergen eingeschlossenen Öxnadalur geboren. Aus kleinsten Verhältnissen stammend und aufgewachsen in einer Welt von Geschichten, Sagas und Gedichten am heimatlichen Herdfeuer, konnte Jónas kaum etwas anderes als ein Dichter werden. Die stille Schönheit der Natur ist eins der Hauptthemen in der Poesie von Islands beliebtesten Dichter.

Eine muffige Diät
Literarisch gesehen war Island über die Jahrhunderte hinweg von der großartigen Erzählkunst der mittelalterlichen Sagas in einen Zustand von muffigem Pathos und Krittelei gefallen. Selbst die Gedichte von Jónas‘ großem Vorbild Eggert Ólafsson, der in seiner Schreibkunst neue Wege beschritt, sind im Vergleich düster und fad.
Jónas besuchte sechs Jahre lang die Lateinschule von Bessastaðir, jenem Anwesen auf der Halbinsel Álftanes bei Reykjavík, wo heute der isländische Präsident residiert. Der strenge Unterricht in Latein und Griechisch gab dem jungen Hallgrímsson ein gutes Fundament für sein späteres Schaffen. Er entwickelte ein besonderes Interesse an damals noch spekulativen Wissenschaften, die ihrer Zeit voraus waren. Jónas starb leider zu früh, um die Umsetzung einige der Ideen selbst mitzuerleben.

Revolution an der Universität
Im Jahr 1832 segelte Jónas nach Kopenhagen, wo er sich an der Uni­versi­tät für Rechts­wissenschaften einschrieb. Nach vier Jahren wechselte er ins literarische und wissenschaftliche Fach über und schloß beides mit Auszeichnung ab. Das Fieber der Revolution grassierte unterdessen in Europa, überall entstanden Unabhängigkeitsbewegungen, die für Freiheit von den alten Ordnungen kämpften. Zusammen mit drei Freunden gründete Jónas das Magazin „Fjölnir“, dem er bis zu seinem Lebensende treu blieb. „Fjölnir“ sollte den Patriotismus in Island anfachen.
Bei seinem Universitätsabschluß wurde ihm ein Stipendium für wissenschaftliche Studien in Island zuteil. Er nutzte es, um sein botanisches Interesse zu vertiefen. Doch just als er seine Gedanken zu Papier gebracht hatte, stürzte er in Dänemark eine Treppe hinunter und starb wenig später an einer Blutvergiftung.

Eine literarische Legende
Mögen seine wissenschaftlichen Ansätze auch interessant gewesen sein, es waren vor allem seine Gedichte, die Jónas Hallgrímsson berühmt gemacht haben. Die ersten veröffentlichte er im Magazin „Fjölnir“. Seine Poesie spiegelte die Liebe zu seinem Land und dessen Schönheit wider, sie war Impulsgeber für die Kraft seiner Dichtung.
Er war Mitbegründer der Roman­tischen Bewegung in Island, welche in der Folge die isländische Dichtung maßgeblich veränderte und ihr neues Leben einhauchte.
Sein Einfluß auf die isländische Literatur ist so groß, daß sein Geburtstag am 16. November als Tag der Isländischen Sprache gefeiert wird. Der Kultusminister vergibt zudem alljährlich den Jónas Hallgrímsson Preis für wichtige Beiträge zur isländischen Literatur.

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